Rumänienhilfe

Ein Gespräch mit Mike Kögel, Hermann Hartmann und Beppo Miller — es fragte Alexander Völkl

Kinder in Rumänien
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Die Singgemeinschaft Schwabsoien unterstützte von 1996 bis 2019 mit Spenden von Konzertbesucher, sowie fast immer mit dem Erlös eines Konzertes Projekte in Rumänien. Die SGS führte ein Gespräch mit den noch in der Rumänienhilfe aktiven Mitgliedern Mike Kögel, Hermann Hartmann und Beppo Miller.

Alexander Völkl: Ich begrüße euch recht herzlich zu dem Gespräch über die Rumänienhilfe. Diese gibt es seit?

Beppo Miller: Januar 1990. Der Grund, weshalb Rudi Lang damals aktiv wurde, liegt in der Geschichte von Rumänien unter dem Diktator Nicolae Ceaușescu, welcher die Macht zwischen 1974 bis 1989 inne hatte. Dieser höhlte das Land aus, seine Untertanen mussten sieben Tage die Woche, acht oder zehn Stunden arbeiten, bei geringstem Lohn und ganz schlechten Arbeitsbedingungen.

Ceaușescu hatte den Wahn, dass sich die Bevölkerung Rumäniens bis zum Jahr 2000 verdoppeln sollte. Er erließ ein Dekret, dass jede gebärfähige und verheiratete Frau mindestens fünf Kinder gebären musste. Bei Nichtbefolgen wurden die Frauen zwangsweise in Krankenhäuser eingewiesen und untersucht. Die Frauen wurden zum Kinderkriegen gezwungen, obwohl sie vielleicht nur zwei Kinder finanziell ernähren konnten. Auch bei weiteren Kindern, welche man nicht selbst versorgen konnte, gab es einen Stempel im Krankenhaus. Das Kind ließen die Frauen dort zurück, oder es wurde am Bahnhof abgelegt. Hauptsache man besaß fünf Stempel im Kinderpass.

Alexander Völkl: Und wie kam dann die Singgemeinschaft zu dieser Kooperation?

Beppo Miller: Rudi Lang hielt sich bereits Ende der 70ger Jahre in Rumänien auf. Er war mit Freunden öfters zur Jagd und lernte so die ärmlichen Zustände kennen. Ceaușescu wurde am 25. Dezember 1989 standesrechtlich erschossen, damit endete die Diktatur. Rudi Lang kannte dort bereits viele Menschen und er wollte deshalb viele Sachspenden zu ihnen bringen. Bereits am 12. Januar 1990 fuhr er und einige Freunde mit sieben LKWs nach Rumänien. Pfarrer Reinhold Lovasz war ihm bereits von früher bekannt, zudem sprach er fließend unsere Sprache. Er war für Rudi Lang gerade in der Anfangszeit ein sehr wichtiger Ansprechpartner.

Viele Menschen in der Bevölkerung hatten noch Angst vor dem gefürchteten und brutalen Geheimdienst Securitate. Schnell war den Beteiligten klar, wo Hilfe am dringendsten gebraucht wurde: Bei armen Kindern und alte Menschen. Das Herzstück der Helfergruppe um Rudi Lang war immer das Kinderheim in Zagujeni, circa 10km entfernt von Caransebes, der nächstgelegenen Stadt mit damals 22.000 Einwohnern. Dort befindet sich auch der Sitz der Caritas, dem Kooperationspartner unserer Rumänienhilfe, welche Pfarrer Reinhold Lovasz im Jahr 1990 gründete.

Nicht nur Geld wurde gespendet, sondern auch eigene Arbeitskraft eingebracht. Hias Unsin, Hermann Hartmann, Mike Kögel und viele andere Helfer opferten wochenweise ihren Urlaub, um dort Brunnen zu bauen, Duschen und Toiletten zu installieren, Mauern hochzuziehen, etc. Ein großes Wohngebäude, 55m lang mit Schlaf- und Aufenthaltsräumen für die Kinder bedeutete die größte Baumaßnahme.

Wir hatten das Glück mit Ion Stan einen hervorragenden Heimleiter vor Ort zu wissen, der sein letztes Hemd für die Kinder gegeben hätte und sogar auf einen Teil seines Gehalt verzichtet hatte. In dieser Zeit entstanden Freundschaften, die immer noch gepflegt werden.

Alexander Völkl: Es waren also nicht nur Sachleistungen, sondern auch handwerkliche Leistungen, die zum Teil von der SGS gespendet wurden?

Hermann Hartmann: 1995 begann Ion Stan einen Neubau des Kinderheimes. Wir sammelten Geld und damit wurde eins nach dem anderen finanziert, zum Beispiel die sanitären Anlagen oder den Dachstuhl.

1996 war ich dann das erste Mal dabei, damals wurde die Heizung in das neue Gebäude eingebaut.

Insgesamt wurden in all den Jahren nacheinander drei gebrauchte Busse gekauft, so dass die Kinder in die Stadt zu weiterführenden Schulen, zu Arztbesuchen und zu Veranstaltungen gefahren werden konnten.

Alexander Völkl: Also kleine VW-Transporter?

Hermann Hartmann: Ja, VW-Bus oder Mercedes-Bus.. Der erste Bus im Jahr 1996. Wir sind dann praktisch jedes Jahr für circa eine Woche zum Helfen runter gefahren.

Die Singgemeinschaft hat bei jedem Konzert gesammelt und in der ersten Zeit hat man dann den Gegenwert eines Konzertes dazu gegeben. Mit diesem Geld hat man dann das Ganze mitfinanziert.

Mike Kögel: Der Rudi Lang war für die Singgemeinschaft als hervorragender Solist und als Initiator unserer Rumänienhilfe ein besonderer Glücksfall.

Alexander Völkl: Läuft die Rumänienhilfe immer noch?

Mike Kögel: Ja,die Rumänienhilfe Dienhausen läuft noch weiter. Unsere Spendengelder geben wir direkt weiter an die örtliche Caritas in Caransebes.

Alexander Völkl: Ist das die katholische Caritas, so wie wir sie hier in Deutschland kennen?

Mike Kögel: Ja, genau. Die Caritas finanziert sich dort ausschließlich von Spenden, erhält keine staatlichen Gelder, und tut sich als katholische Organisation in einem mehrheitlich orthodoxen Gebiet natürlich schwer.

Beppo Miller: Etwa 10% der Bevölkerung leben nach wie vor in absoluter Armut. Bis zu zehn Menschen hausen zum Teil in einer Zweizimmerwohnung, nur mit kaltem Wasser und einem kleinen Holzofen. Die Caritas brachte ihnen all die Jahre viele Sachspenden aus Deutschland, Österreich und auch von uns, welche bei diesen katastrophalen Verhältnissen dringend notwendig waren.

Alexander Völkl: Wie lange wollt Ihr Euch noch engagieren?

Beppo Miller: Mike, Hermann, Hias und ich wollen so lange weitermachen wie der dortige Caritasleiter, dem wir zu 100% vertrauen, dort noch tätig sein wird.

Die Caritas hatte Anfang der 90er Jahre circa 700 rumänische Mitglieder und Geldspender. Nun sind es ungefähr nur noch 40 Personen. Während Corona verschlechterte sich die Möglichkeit diese Menschen zu unterstützen.

Alexander Völkl: Ist eure Rumänienhilfe ein Verein, eine Organisation?

Beppo Miller: Anfang der 2000er Jahre lernten wir in Rumänien eine Klosterfrau und zwei Schwestern kennen, welche in Stubenberg schon einen Verein gründeten. Wir schlossen uns 2018 zusammen. Somit können wir Spendenbelege ausstellen, welche die Spender für deren Steuer verwenden können. Spendengeld geben wir der Caritas für deren Projekte, wie zum Beispiel Suppenküche, Essen auf Räder zügig weiter.

In den letzten Jahren fliegen wir von Memmingen nach Rumänien, so sind wir innerhalb von drei Stunden vor Ort. Flüge, Essen und Übernachtungen bezahlen wir aus eigener Tasche.

Alexander Völkl: Die Herren Hermann Hartmann, Mike Kögel und Beppo Miller, vielen Dank für das tolle Gespräch, für die intensiven Einblicke in die Rumänienhilfe. Einen schönen Tag noch.

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